Kaliningrad-Könisberg-Reiseführer

Der Reiseführer bietet Informationen zu Hotels, Stadtführungen, Stadtrundfahrten und Ausflügen

Im Jahre 2005 wurde mit großer Pomp das 750-jähriges Jubiläum der Stadt Kaliningrad (Königsberg) gefeiert. Allerdings existierte im 13. Jh. eine Burg des Königs unabhängig von den drei Städten, Altstadt, Kneiphof und Löbenicht, die 1339 der Hanse beitraten und daraufhin einen ungeheuren wirtschaftlichen Aufschwung erlebten. Erst im Jahr 1724, dem Geburtsjahr Kants, wurden die drei zu einer Einheit mit dem Namen Königsberg zusammengeschlossen. Die besagte „Burg des Königs“, die der späten Namensgebung eine Grundlage gab, wurde unter der Leitung des böhmischen Königs Ottokar II., in der Zeit als der Deutsche Ritterorden einen Kreuzzug zur Zwangschristianisierung der heidnischen Pruzzen durchführte, am Ufer der Pregel gebaut.

Im Laufe der Jahrhunderte verkörperte das Schloss wie kein anderes Gebäude der Stadt ostpreußische und preußische Geschichte. Ursprünglich Burg des Deutschen Ordens wurde es später Residenz des Hochmeisters. Nach der Umwandlung des Ordensstaates in ein weltliches Herzogtum diente es den Herzögen von Preußen als Wohnpalast.

Vor allem Herzog Albrecht sorgte für die Entfaltung einer kulturellen Blüte in Königsberg und gründete die Königsberger Universität, an der später Immanuel Kant studieren und lehren sollte. Der spätere preußische König Kurfürst Friedrich III. wurde im Königsberger Schloss geboren und krönte sich und seine Gemahlin Sophie Charlotte im Albrechtsbau zum König, bzw. Königin von Preußen. Umso trauriger, dass das Schloss heute nicht mehr existiert. Im August 1944 zerstörten Hunderte englischer Flugzeuge in nächtlichen Angriffen die gesamte Königsberger Innenstadt und das Schloss. Heute steht im Bereich des früheren Schloss-Areals im Osten eine nicht fertiggestellte Beton-Ruine, das "Haus der Räte", im Westen befindet sich ein Einkaufszentrum aus vielen Container-Geschäften.

Trotzdem ist das heutige Kaliningrad ein lohnenswertes Reiseziel. Trotz der umfassenden Zerstörungen finden sich in der Stadt noch eine Reihe alter Bauten – der erst kürzlich aufwendig restaurierte Dom, das Grabmal Kants, die Börse, Universität und die Luisenkirche, um nur einige zu nennen. Insbesondere von den alten Befestigungsanlagen sind trotz der Zerstörungen im Krieg noch viele Bauwerke erhalten und geben von der Kultur, der Bau- und Ingenieurskunst vergangener Epochen beredtes Zeugnis ab.

Die Stadt Kaliningrad sieht sich heute als eine russische Stadt im Herzen Europas und steht sowohl zu ihren europäischen Wurzeln als auch zu der heutigen Zugehörigkeit zum Russland. Das 750-jähriges Stadtjubiläum, an dem sowohl der russische Präsident Wladimir Putin als auch der Bundeskanzler Gerhard Schröder teilnahmen, wurde unter dem Motto „Eine Stadt – eine Geschichte“ gefeiert, wobei der russische Bürgermeister eine traditionelle mittelalterliche Tracht des Stadtältersten trug und eine in den Farben der russischen Staatsflagge geschmückte festliche Prozession empfing. Das europäische Erbe und die russische Gegenwart finden ihren Ausdruck in einerseits mittelalterlichen Rittertournieren und andererseits in den Auftritten der zahlreichen aktuellen russischen Popstars und –sternchen anlässlich der Feierlichkeiten. Zu diesem Anlass wurde auch das städtebauliches Denkmal, das Stadttor; restauriert und der Stadt übergeben. Hier soll demnächst ein „historisch-kulturelles Zentrum“ seinen Sitz haben und wo bereits die ersten Exponate, darunter die Portraits der bedeutendsten russischen Herrscher, Peter I. und Katharina II., zu sehen sind.

Der maritimen Prägung der Stadt wurde in einem zwei Tage lang dauernden Hafenfest gehuldigt, wobei die speziell aus Petersburg angereisten Segelschiffe „Standart“ und „Swjatitel Nikolaj“ die Kopien der bekanntesten Segelschiffe aus der Zeit des Peter I. darstellten und auf das russische maritime Erbe der Stadt verweisen sollten. Dabei wurde der Stadt die symbolische Jubiläumsstaffel aus Sankt-Petersburg übergeben, wo 2003 das 300-jähriges Stadtjubiläum gefeiert wurde. Das Kinderprogramm zum Fest trug einen ausgesprochen europäischen Charakter und wurden von den Gestalten der traditionellen "Comedia dell arte" bestimmt. Auch der „Club der Enkel des Barons von Münchhausen“, genannt einem der berühmtesten Söhne des „Kaliningrader Gebiets“, nahm teil an dem Fest. Denn die Gestalt des Barons von Münchhausen genießt in Russland v.a. dank einer äußerst romantischen Verfilmung seiner Abenteuer aus den 1970ern, eine beinahe größere Popularität als in Deutschland.